|
Abschied "Bei
unseren Konzerten mit Carreras habe ich manchmal fast vergessen, dass
wir vor zahlendem Publikum auftraten, so viel Spaß hatten wir"
- Placido Domingo, Tenor Plácido Domingo, José Carreras und weitere Stimmen: "Er war unglaublich" Bestürzt reagiert die internationale Musikwelt auf den Tod des Tenors Luciano Pavarotti. "Ich habe immer seine göttliche Stimme bewundert und auch seinen Sinn für Humor", äußerte sich Plácido Domingo in Los Angeles. "Bei unseren Konzerten mit Carreras habe ich manchmal fast vergessen, dass wir vor einem zahlenden Publikum auftraten, so viel Spaß haben wir dabei gehabt." Auch José Carreras, der dritte im Bund der "Drei Tenöre", zeigte sich erschüttert: "Pavarottis Mut und die Stärke, mit der er seinem schweren Krebsleiden entgegengetreten ist, hat uns alle tief beeindruckt." Carreras war selbst an Leukämie erkrankt und hat die Krebskrankheit nach einer Stammzellentransplantation überwunden. "Es ist ein sehr, sehr trauriger Moment, nicht nur für die Opernwelt, sondern auch für mich als Freund. Ich bin stolz, dass ich Pavarottis Kollege und Freund war." Die spanische Sopranistin Montserrat Caballé bezeichnete Luciano Pavarotti als einen "Meister, der uns lehrte, solidarisch zu sein". Er habe keine Show benötigt, um zu glänzen. "Er wollte vor allem einen guten Job machen. Und in der Tat, er erledigte seine Arbeit besser als alle anderen." Die Sängerin erinnerte daran, dass er ihr, als sie 1985 erkrankte, Mut zugesprochen habe mit den Worten: "Den starken Menschen kann niemand etwas anhaben." Der Wiener Staatsoperndirektor Ioan Holender ließ am Donnerstag die schwarze Flagge als Zeichen der Trauer aufziehen. Er sprach vom "Verlust der schönsten Tenorstimme meiner Zeit und darüber hinaus eines Menschen, der durch seine Kunst in außergewöhnlicher Weise gewirkt und dem Publikum unendlich viel gegeben hat". Der britische Tenor Russell Watson sagte, Pavarotti habe die Oper zum Volk gebracht: Vor allem der WM-Auftritt der "Drei Tenöre" habe dazu beigetragen. "Er war ein vollkommenes Meisterstück, er war unglaublich, er lebte sein Leben in vollen Zügen. Er war ein Fußball-Fan, ja er war fanatisch. Aber über all das hinaus hatte er eine unglaubliche Stimme." Der britische Popsänger Elton John erklärte, dies sei ein "trauriger Tag für die Musik wie für die Welt". Pavarotti hatte mit Elton John 1996 das Duett "Live Like Horses" gesungen. Der Intendant der Deutschen Oper am Rhein, Tobias Richter bescheinigte Pavarotti eine "Jahrhundertstimme". Er habe wesentlich dazu beigetragen, "dass der Operngesang als populäre, im besten Sinne volkstümliche Kunst von einem breiten Publikum wahrgenommen wurde. Deshalb werden wir ihn sehr vermissen." Das Londoner Royal Opera House hat Pavarotti als einen der "besten Sänger unserer Zeit" gewürdigt: "Er war einer dieser seltenen Künstler, die das Leben der Menschen auf dem ganzen Globus berühren." Er habe die Oper auch jenen Menschen näher gebracht, die sonst vielleicht nie klassischer Musik begegnet wären. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso erklärte in Brüssel, Pavarotti habe ein außergewöhnliches Talent besessen. Aber auch seine sympathische Art und sein großes soziales Engagement blieben in Erinnerung. Er habe die europäische Musik in der Welt bekannt gemacht und dazu beigetragen, die Welt der Oper einem wachsenden Publikum zu öffnen. Kulturstaatsminister Bernd Neumann würdigte Pavarotti als "einzigartigen Tenor": "Vor allem seine Interpretationen von Opernpartien des 19. Jahrhunderts bilden Höhepunkte der Gesangskunst." Auch in anderer Hinsicht habe er Maßstäbe gesetzt: "Wie kein anderer Künstler hat er der Klassik neue Publikumsschichten erschlossen. Er faszinierte durch seine Präsenz auf der Bühne seine große wie treue Anhängergemeinde." Luciano Pavarotti und seine Rekorde * Am
24. Februar 1988 sang Pavarotti an der Deutschen Oper Berlin in Gaetano
Donizettis "L'elisir d'amore" ("Der Liebestrank").
Vor allem wegen seiner Interpretation der Arie "Una furtiva lagrima"
wurde er frenetisch gefeiert. Die Zeitungen meldeten zunächst den
Weltrekord von 115 Vorhängen in 62 Minuten. Später korrigierte
das Guiness-Buch der Rekorde die Zahlen auf 165 Vorhänge in 67
Minuten. Viele Kritiker hatten nicht mitgezählt, weil sie die Vorstellung
unmittelbar nach dem letzten Ton verließen. |